#10Fragenan - dieses Mal mit den Bundestrainern weiblich und Freistil Nachwuchs:
CHRISTOPH UND MARCEL EWALD

10 FRAGEN AN
CHRISTOPH & MARCEL EWALD
 
1. Wann habt Ihr mit dem Ringen angefangen?
M: Wann genau weiß ich gar nicht mehr. 2011 habe ich bei einem Interview gesagt, dass es vermutlich schon im Mutterleib begann und ich meinen Bruder als Trainingspartner nutzte. Aber Spaß bei Seite es müsste so im Alter von 4 Jahren gewesen sein, also  im Jahr 1987.
C: Ich schließe mich hier meinem Bruder an und würde sagen mit ungefähr vier Jahren.

2. Wie seit Ihr zum Ringen gekommen und was ist der Grund, warum Du beim Ringen geblieben bist?
C:
  Durch unseren Vater, Jürgen Ewald. Er war beim ASV Daxlanden aktiv und wir sind sozusagen hineingeboren worden. Bevor wir laufen konnten hatten wir schon Kontakt zur Ringermatte.
M: Er war ein Ringer und mein Bruder und ich bei jedem Kampf und Training dabei. Daher sind die Würfel für die Wahl des Sportes sehr schnell gefallen. Beim Ringen bin ich geblieben, weil mir der Zweikampf gefallen hat und ich immer selbst für meine Erfolge aber auch Misserfolge verantwortlich war.

3. Wie oft habt Ihr in der Woche trainiert?
M:
Am Anfang habe ich 4 Mal pro Woche trainiert. Sehr geprägt in dieser Zeit hat mich das Training auf der Sportschule Schöneck bei Bernd Ehrler. Mit 16 Jahren, während meiner Ausbildung als Zimmermann, waren es zwischen 6 - 8 Trainingseinheiten in der Woche. Jeweils auch Samstag und Sonntag in Eigeninitiative. Später waren es dann auch schon zwischen 10 und 12 Trainingseinheiten in der Woche. Bei Trainingslagern (auch) oft noch mehr.
C: Das kann ich gar nicht genau sagen. Zu Beginn waren es sicher zwischen drei und vier Trainingseinheiten pro Woche. Das hat sich natürlich mit zunehmendem Alter gesteigert bis am Ende bis zu 12 Einheiten pro Woche absolviert wurden. Das schöne war, dass ich in meinem Bruder immer einen Rivalen sah, den es zu überbieten galt. So haben wir uns schon früh gegenseitig angetrieben. War er 45min Laufen bin ich daraufhin 60min gelaufen woraufhin er noch im häuslichen Keller ein Krafttraining absolviert hat. An dieser Stelle unterbreche ich, ihr könnt euch ja vorstellen wie es weiter ging.

4. Was war Euer Lieblingsgriff? Wie oft habt Ihr diesen Trainiert bis er so ausgereift war, dass Ihr ihn im Kampf einsetzen konntet?
C:
Meine Lieblingstechnik ist die Beininnensichel. Ich habe erst sehr spät diese Technik für mich entdeckt. Ich denke, das war mit 27 Jahren. Diese Technik habe ich in jedem Training angewendet anfangs jedoch sehr sehr selten erfolgreich. Ich habe begonnen mir die Technik vor meinem inneren Auge vorzustellen und sie somit nicht nur auf der Matte, sondern auch vor dem Einschlafen trainiert. Das die Methode der Bewegungsvorstellung Ideomotorisches Training ist, habe ich aber erst später erkannt. Aber nun beantworte ich die Frage. Bevor ich diese Technik im Wettkampf angewendet habe wurde sie von mir auf der Matte und im Kopf unzählige Male trainiert. Es benötigte hunderte von Wiederholungen. Ich möchte die Athleten aber dazu ermutigen, dass auch im Alter von 27 Jahren das Erlernen einer neuen  Wettkampftechnik möglich ist.
M: Meine Lieblingstechnik war und ist der „der Einsteiger mit Armeinschluss“ zum Durchdreher. Ich kann nicht sagen, ob es dafür eine Zahl gibt aber es waren sicher unzählige Wiederholungen. Eine Technik ist erst dann Wettkampffähig, wenn jeder Trainingspartner oder Gegner deine Technik kennt, du sie aber trotzdem erfolgreich anwenden kannst.
 
5. Welche Art von Training habt Ihr am meisten gehasst – welches geliebt? Was hat Euch im Nachhinein am meisten Weitergebracht?
M
: Gehasst habe ich eigentlich keine Trainingseinheit. Ich denke, genervt wäre eine bessere Wortwahl. Das waren die Trainingseinheiten in der Sportschule Hennef am Anreise Tag bei Lehrgängen der Juniorennationalmannschaft. Das waren Trainingseinheiten im Bereich Technik von 3 Stunden und mehr. Am allerliebsten habe ich im Kraft- und Ausdauertraining sowie Kampftraining auf der Matte gemacht. Weitergebracht hat mich die Tatsache, dass ich eine große Anzahl an Top-Trainern hatte die mich in verschiedenen Positionen während meiner Karriere begleitet und unterstützt haben. Diese waren: Bernd Bobrich, Bernd Ehrler und Günter Laier. Rainer Kamm, Behcet Selimoglu und Waldemar Galwas. Jörg Helmdach und Alexander Leipold. Vielen Dank an dieser Stelle nochmals für die jahrelange Unterstützung!
C: Es gab kein Training, dass ich gehasst habe. Wie Marcel schon gesagt hat, genervt ist die bessere Umschreibung. Ringen ist ein komplexer Sport und daher ist jedes Training am Ende auch in irgendeiner Form zielführend. Geliebt habe ich das Dauerringen und Kampftraining. Genervt hat mich Schwimmen. Schwimmen war für mich eher ein Kampf gegen das untergehen, da ich die Technik weder damals noch heute beherrsche. Am meisten weitergebracht hat mich das Dauerringen und währenddessen das ständige experimentieren mit Techniken und Varianten (ging oft schief) wodurch ich am Ende aber wichtige Bewegungserfahrung gesammelt habe und meine Techniken verbessern konnte.

6. Was sind Deine größten Erfolge?
C:
Mein größter Erfolg war der Gewinn der DM 2012. Da sich mein Bruder, im Halbfinale, bei einem Qualifikationsturnier zu den olympischen Spielen 2012 verletzt hatte durfte ich ihn bei den folgenden zwei Turnieren vertreten. Diese beiden Turniere waren mein Highlight doch leider konnte ich durch Platz 8. und 9. keine Qualifikation erkämpfen. Auf der Habenseite stehen einige Gold, Silber und Bronzemedaillen bei Deutschen Meisterschaften sowie ein fünfter Platz bei den Militärweltmeisterschaften 2008. Als großen Erfolg sehe ich aber auch meine aktuelle Tätigkeit als Bundestrainer im Nachwuchs. Das war schon sehr lange ein Traum und Ziel.
M:Ich war: 7. Mal Deutscher Meister der Männer, 2.. Europameister 2007 in Sofia, 3. Europameister 2010 in Baku, 5. Europameister 2011 in Dortmund sowie 2. European Games 2015 in Baku und dazu noch 2 x Deutscher Mannschaftsmeister mit dem SV Germania Weingarten.
 
7. Was war Euer Leitspruch? Zu wem habt Ihr aufgesehen?
M:
Der Wille entscheidet!!! Alexander Leipold und Adolf Seeger.
C: Mein Leitspruch war und ist definitiv „Erfolg bezahlt man mit Schweiss“. Aufgesehen habe ich zum einen zu meinem Bruder Marcel, der es geschafft hat international aufs Podest zu kommen. Es gab auch andere zu denen ich aufgesehen habe jedoch waren es oft nicht die mit den größten Erfolgen, sondern Athleten die immer wieder aufgestanden sind. Um einen zu nennen Stig Andre Berge aus Norwegen.

8. Wie habt Ihr Euch motiviert, wieder aufzustehen, wenn ihr mental am Boden wart?
C: Wenn ich mental am Boden war, habe ich anfangs immer versucht die Wut/Trauer mit Training zu bekämpfen. Durch diese „Bestrafung“ fühlte ich mich besser. Ich habe aber schnell bemerkt, dass gerade die Niederlagen wichtig sind. Niemand analysiert gerne verlorene Kämpfe jedoch genau das ist der Schlüssel zum Erfolg.  So habe ich erkannt das man nur aus verlorenen Kämpfen lernen kann und war eher motivierter nach Niederlagen.
M: Ich war sehr oft mental am Boden, was in einer Sportlerkarriere auch völlig normal ist. Es geht wie im normalen Leben nicht immer nur Bergauf. Motiviert hat mich immer der Gedanke an die Olympischen Spiele und die Vorstellung bei einer EM oder WM auf dem Siegertreppchen zu stehen. Das hat mich auch in den schwierigsten Zeiten immer wieder auf die Beine gebracht. Es hat zwar manchmal ein paar Tage gedauert, aber man sollte sich auch die Zeit nehmen.

9. Was war Euer tollstes Erlebnis mit den Ringern außerhalb der Matte?
M:
Es gibt sehr viele Erlebnisse und ich kann mich da nicht festlegen. Das Reisen war immer etwas Besonderes. Ich habe verschiedene Länder, wie zum Beispiel die Mongolei kennengelernt. Dort spielt das Ringen eine ganz besondere Rolle. Das tollste sind die Freundschaften, welche weltweit durch das Ringen entstanden sind und immer noch Bestand haben.
C: Es gibt viele tolle Erlebnisse, die sicher den Rahmen sprengen würden. Sehr toll finde ich den Zusammenhalt unter uns Ringern auf der ganzen Welt.

10. Was würdet Ihr der heutigen Jugend gerne mit auf den Weg geben wollen?
C:
Steckt euch hohe Ziele. Ich selbst habe meine Ziele sehr hoch gesteckt, wollte EM und WM Medaillen gewinnen und bei den Olympischen Spielen erfolgreich sein. Ich habe diese Ziele nie realisieren können, aber alles dafür getan und sehr viel trainiert es zu schaffen. Ich muss mir aber im Nachhinein keine Vorwürfe machen, nicht alles gegeben zu haben. Und das ist das wichtigste. Stellt euch vor wie schlimm wäre es, wenn man eines Tages zurückblickt und sagt: „Ich hätte Weltmeister werden können, wenn ich mehr dafür getan hätte“.
M: Und Für einen Erfolg der über Nacht kam, hat man mindestens 10 Jahre trainiert.