Siegerehrung StaeblerRinger Frank Stäbler mit 'Last-Second-Sieg' in Dortmund

Dortmund - 204 Ringer aus 30 Nationen trafen sich beim Grand Prix in Dortmund, wo am vergangenen Wochenende im freien Ringkampf und im griechisch-römischen Stil gerungen wurde. Eine ganze Reihe von Teilnehmern für Rio 2016 nutzte den Grand Prix als letzte Standortbestimmung vor den Olympischen Spielen.

So auch die drei deutschen Ringer Frank Stäbler, (66 kg/TSV Musberg), Denis Kudla (85 kg/VfK Schifferstadt) und Eduard Popp (130 kg/VfL Neckargartach), die allesamt im griechisch-römischen Stil in Rio antreten werden.

Frank Stäbler sorgte gleich am ersten Wettkampftag für Jubel unter den etwa 500 deutschen Ringerfans, als der deutsche Weltmeister im Finale dem Gewinner der 1. European Games 2015 Artem Surkov (RUS) kurz vor Kampfende mit 0:1 in Rückstand liegend, durch einen 'Verzeiflungsangriff' vier Sekunden vor Kampfende, den Turniersieg mit 2:1 entriss. In den Vorrundenkämpfen hatte der Weltmeister seine Konkurrenten Murad Tashmuradov (UZB), Edgaras Venckaitis (LTU) und Matias Lipasi (FIN) aus dem Rennen geworfen, bevor Stäbler im Halbfinale Mateusz Bernatek (POL) bezwang und ins Finale gegen Surkov einzog.

Dagegen haderte der Schifferstädter Denis Kudla nach seiner Halbfinalniederlage gegen seinen Landsmann Ramsin Azizsir (ASV Hof) mit sich selbst. Den Kampf um Bronze gewann der 3. der Europameisterschaft 2016 gegen Julius Matuzevicins (LTU) und sicherte sich damit Bronze. Ramsin Azizsir unterlag im Finale dem Polen Mateusz Michalik und bekam bei der Siegerehrung die Silbermedaille überreicht. "Ein weiteres, äußerst spannendes Duell zwischen unseren beiden deutschen Ringern, die auf Augenhöhe kämpfen", so Greco-Bundestrainer Michael Carl.

Im Kampf um Bronze stand am 2. Wettkampftag Schwergewichtler Eduard Popp (130 kg), der das Halbfinale gegen Weltmeister Riza Kayaalp (TUR) verlor. Gegen den Olympiadritten von 2012 Johan Euren (SWE) setzte sich der DRB-Ringer erstmals durch, ein wichtiger Sieg, der eine zusätzliche Motivationsspritze für Rio sein dürfte. Ein weiterer Bronzerang ging im leichtesten Limit an Dustin Scherf (59 kg/KFC Leipzig). "Ich bin zufrieden, unsere Olympiastarter liegen im Plan und haben hier gegen unmittelbare Konkurrenten, die uns in Rio gegenüber stehen könnten, gute Kämpfe gezeigt", so der Bundestrainer für den griechisch-römischen Stil, Michael Carl.

Einen Überraschungserfolg gab es im Limit bis 71 kg; Maximilian Schwabe (KSV Pausa) setzte sich in einem rein deutschen Finale gegen Timo Badusch (KSV Köllerbach) durch, während der WM-Dritte von 2015 Adam Kurak (RUS) auf den Bronzerang verwiesen wurde. "Maximilian Schwabe war die Überraschung schlechthin, sein Sieg über Adam Kurak lässt aufhorchen", so Carl über den Ringer aus Pausa. Dem schloss sich auch DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis an, "...unsere Olympiastarter haben ordentliche Kämpfe gezeigt, Eduard Popp das erste Mal in seiner Laufbahn gegen Johan Euren gewonnen, Frank Stäbler mit seinem 'Last-Second-Sieg' die Goldmedaille aus dem Feuer gerissen und nicht zuletzt waren es auch Ringer aus der zweiten Reihe- und dem Nachwuchsbereich, die hier wie Maximilian Schwabe und Timo Badusch starke Kämpfe gezeigt haben".

Nicht ganz so erfolgreich wie die Griechisch-Römisch-Spezialisten kämpfen derzeit die deutschen Freistilringer, kein Athlet aus der Riege um Freistil-Bundestrainer Sven Thiele konnte sich für die Olympischen Spiele qualifizieren. Dennoch sah man schon bei den Deutschen Meisterschaften einige Lichtblicke und wie schon bei den Olympia-Qualifikationswettkämpfen, so stach auch am vergangenen Wochenende in Dortmund ein Ringer besonders hervor; Martin Obst (74 kg/1. Luckenwalder SC) kämpfte sich bereits am ersten Wettkampftag ins Finale, wo er dem amtierenden Weltmeister und Olympiasieger von 2012 Jordan Burroughs (USA) mit 2:3 Punkten nur knapp unterlag. In den Vorrundenbegegnungen setzte sich der Ringer aus dem Leistungszentrum Luckenwalde gegen Muhamad Akdemir (TUR), sowie gegen den international erfahrenen Oleg Motsalin (GRE) durch. Seinen Halbfinalkampf gewann der Deutsche Meister gegen den für Rio qualifizierten Evgheni Nedealco (MDA).

Freistil-Bundestrainer Sven Thiele kann sich derzeit auf die Luckenwalder Ringerschule verlassen, denn auch am Sonntag war es mit Lennard Wickel (70 kg) ebenfalls ein Freistilringer vom 1. LSC, der sich als einziger DRB-Starter ins Finale kämpfte, dort jedoch gegen Gitinomagomed Gadzhiyev (AZE) unterlag und Silber mit zurück nach Luckenwalde nahm. Allerdings war in dieser Gewichtsklasse das Niveau sehr ausgeglichen, denn mit Samet Dülger (AC Mühlheim am Rhein) und Kubilay Cakici (RWG Mömbris-Königshofen) hat Sven Thiele gleichwertige Ringer in diesem Limit zur Verfügung, die wie auch Lennard Wickel durchaus in der Lage sind, einmal in die Spitze vorzustoßen.

Bronzeränge gingen im Freistil an Samet Dülger (70 kg), der im kleinen Finale Maximilian Ausserleitner (AUT) bezwang und an Marcel Ewald (57 kg/KSV Ispringen), der Routinier gewann den Kampf um Bronze im innerdeutschen Duell gegen Artur Eisenkrein (KSV Witten). "Auch im Freistil gibt es talentierte Nachwuchsringer wie zum Beispiel Niklas Dorn (KSC Hösbach), der mir gut gefallen hat, junge Athleten die es zu entwickeln gilt", sieht Jannis Zamanduridis einige Nachwuchsringer in Freistilbereich in den Startlöchern für 2020 in Tokyo.

Zufrieden zeigte sich auch Organisationschef Karl Martin Dittmann, denn der Grand Prix verlief einmal mehr reibungslos, mit einem guten Umfeld, kurzen Wegen und einer großen Helferschar, die sich mit viel Herzblut um die Belange der Sportler, Trainer und Besucher kümmerten, wobei sich DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis auch über die steigende Zahl der Zuschauer freute, die dann auch gemeinsam mit dem unverwüstlichen und wortgewandten Hallensprecher Thomas Eigenbrodt, den deutschen Athleten in den wichtigsten Duellen den Rücken stärkten.

In einem Jahr ist Dortmund Gastgeber der Junioren-Europameisterschaften, der Grand Prix, war damit nicht nur für die Olympiastarter eine gute Generalprobe für Rio, sondern auch für das Org.-Team auf die JEM 2017.

Jörg Richter
   

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