Datei 23.04.17 15 50 59Silber für Arkadiusz Böhm als Überraschung / Drei Medaillen für die NBRV-Frauen
Gold für Luisa Niemesch, Silber für Laura Schmitt, Bronze für Jaqueline Schellin

Entgegen den Befürchtungen, dass wegen den Europameisterschaften (2.-7. Mai) im serbischen Novi-Sad die deutsche Elite bei den nationalen Meisterschaften im freien Stil in Bruchsal fehlt, waren bis auf wenige Ausnahmen – bedingt durch Verletzungen – die deutschen Spitzenringer doch am Start. Bei den Männern waren in acht Gewichtsklassen 89 und bei den Frauen in sechs Klassen 42 Athleten am Start. Bei den Frauen setzten sich vornehmlich die Favoritinnen durch, bei den Männern verfehlten einige Vorjahresmeister jedoch das Finale.
 
Bereits am Samstag haben die Frauen ihre Meister ermittelt, wo der Nordbadische Ringer-Verband (NBRV) mit je einmal Gold, Silber und Bronze recht erfolgreich war und bei der Länderwertung Platz Zwei hinter Nordrhein-Westfalen belegte. Luisa Niemesch von SVG Weingarten wurde bis 58 kg ihrer Favoritenrolle gerecht und holte sich, nach ihrem DM-Verzicht vom Vorjahre, ihren vierten Meistertitel. Mit drei sicheren Vorrundenerfolgen war die Olympiastarterin von Rio 2016 ins Finale eingezogen, wo sie auf die Vorjahresmeisterin Laura Mertens (AC Ückerath) traf. Nach anfänglichem 0:2 Rückstand spielte Niemesch ihre Cleverness aus, glich frühzeitig zum 2:2 aus und war durch die höhere Wertung am Ende die Siegerin.
 
Ihre Kaderzugehörigkeit unterstrich Laura Schmitt (KSV Kirrlach) mit „Vize“ bis 48 kg, wo die dreifache Jugend- und zweifache Juniorenmeisterin der Vorjahresmeisterin Katharina Baumgartner (SC Anger) beim 2:7 einen großen Kampf lieferte, ihre weiteren vier Turnierkämpfe aber alle vorzeitig für sich entschied. Die dritte Medaillenhoffnung des NBRV Jaqueline Schellin vom TV Mühlacker, viermal Meisterin bis 48 kg, war in die nächst höhere Klasse bis 53 kg aufgerückt, wo sie knapp gegen Olympiastarterin Nina Hemmer (AC Ückerath) unterlegen war und letztlich im „kleinen Finale“ noch Bronze gewann.
 
Bei den Männern waren sechs Vorjahresmeister angetreten, wegen Verletzung fiel die nordbadische Hoffnung Marcel Ewald (ASV Daxlanden/57 kg) ebenso aus wie Schwergewichtler Nick Matuhin (Luckenwalde), die beide noch in der letzten Saison für dem KSV Ispringen in der Bundesliga kämpften. Nicht mehr ins Finale schaffte es Michael Kaufmehl (86 kg) wie auch Kevin Henkel (65 kg), sie scheiterten bereits in den Vorkämpfen.
 
Absoluter Höhepunkt der Finalveranstaltung am Sonntagmorgen war der Sieg des für den KSV Ketsch ringenden Viernheimers Stefan Kehrer im Schwergewicht bis 125 kg. Gegen seinen Endkampfgegner Gennadij Cudinovic (KSV Köllerbach) hatte Kehrer noch eine alte Rechnung offen, als man ihm als besten deutschen Freistilringer der letzten Weltmeisterschaft (Platz Sieben) die Qualifikationskämpfe für Olympia in Rio durch den Deutschen Ringer-Bund verwehrte. Stattdessen starteten seinerzeit Erik Thiele, Sohn des damaligen Bundestrainer Sven Thiele und Cudinovic bei den „Quali-Kämpfen“, doch keiner schaffte die Qualifikation für Rio – letztlich war der DRB ohne einen Freistilringer bei Olympia. Kehrer hatte lange über einen Start bei der DM überlegt, erst seine Ehefrau ermunterte ihn zur Teilnahme. Nach zwei Vorkampferfolgen stand Kehrer im Finale und bot den Ringerfans einen „spektakulären Kampf“: Schon bei der ersten Aktion, als das Kampfgericht die Wertung Cudinovic zusprach, wurde es brisant. Erst nach einem Videobeweis wurde die Aktion für Kehrer gewertet. Der Kampf mit dem Köllerbacher, der erst kürzlich Dritter bei der U-23-EM wurde, wogte hin und her. Nach einer 11:10 Pausenführung legte Kehrer nach 3,29 Minuten Cudinovic auf die Schultern, sein erster Weg war dann durch die Zuschauer hinweg zu seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern. „Gerade nachdem Cudinovic mir bei der „Quali“ vorgezogen wurde, wollte ich es allen beweisen“, war die Freude bei Kehrer und allen Fans in der Bruchsaler Halle im schönsten Kampf dieser Meisterschaften groß.
 
Für eine Überraschung aus nordbadischer Sicht sorgte Arkadiusz Böhm von der KG Laudenbach/Sulzbach, der sich bis 70 kg ins Finale kämpfte. Spektakulär sein 6:6 Erfolg im Halbfinale gegen Julian Meyer (VfL Neckargartach), wo die höhere Wertung den Ausschlag gab. Doch im Finale war Böhm gegen Exmeister Tim Müller (ASV Mainz) beim 0:10 chancenlos.
 
Peter Weber
   

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