Marc Hartmann strahlte. „Was will man mehr? Einen besseren Einstand kann man sich nicht wünschen.“ Die Ringer des KSV Schriesheim hatten den neuen Abteilungsleiter gerade mit dem nordbadischen Pokalsieg beschenkt. „Das war grandios“, freute sich auch Trainer Kai Dittrich nach dem 19:8-Finalerfolg über die KG Laudenbach/Sulzbach, „es lief besser als ich erwartet hatte.“
 
Das Derby der Bergstraßenvereine hätte knapper ausgehen können. Doch Marcus Plodek knöpfte dem 29 Kilo (!) schwereren, aber dafür stilartfremd kämpfenden Frank Gerhardt 4:0 Punkte ab und Alexander Hirth schlug nach anfänglichen Problemen den jungen Tim Scheid mit 4:1. Damit waren die Weichen zum Schriesheimer Sieg früh gestellt.
 
„Meine Ringer haben heute gezeigt, warum sie Oberligameister geworden und in die Regionalliga aufgestiegen sind“, sagte Kai Dittrich stolz. Die übrigen Siege fielen viel deutlicher aus: Rene Jünger warf den starken Marco Bechtel mehrfach über die Matte (16:0), Ceyhun Zaidov punktete den Ex-Schriesheimer Frank Losmann in rund eineinhalb Minuten mit 15:0 aus und Shamil Ustaev brauchte gegen Marcel Merz nur eine Minute länger für das gleiche Ergebnis.
 
Deutsches Spitzenniveau hatte die Begegnung im Mittelgewicht: Schriesheims Rhamatullah Moradi, ein mittlerweile anerkannter Flüchtling aus Afghanistan, schlug Arkadiusz Böhm mit 10:0. Der Laudenbacher war vor vier Monaten immerhin deutscher Vizemeister geworden!
 
An Moradi, der schon letzte Saison maßgeblich zur Oberligameisterschaft beigetragen hatte, dürften die Schriesheimer noch ihre Freude haben. Gerade erst hat der 19-Jährige, der aus Meidan in der Nähe von Kabul stammt, bei den Europameisterschaften der afghanischen Flüchtlinge in Hamburg den Titel gewonnen – und sich eine Wildcard für die WM vom 21. bis 27. August in Paris ergattert.
 
Auch Gerhard Ronellenfitsch war zufrieden. „Schriesheim hat eine starke Mannschaft“, lobt der nordbadische Riner-Präsident, „aber die neue Regionalliga ist noch schwer einzuschätzen.“ Selbst Kai Dittrich mag sieben Wochen vor dem Saisonstart am 2. September bei der Adelhäuser Reserve keine Prognose abgeben. „Die Zweite Liga wurde abgeschafft, deshalb müssen wirklich den ersten Kampftag abwarten, um sagen zu können, wo wir stehen“, sagte der Schriesheimer Coach, „ich denke aber, dass wir keine Abstiegsängste haben müssen – und keine Aufstiegssorgen. Denn eine Rückkehr in die Bundesliga käme für uns zu früh.“
 
Der vierte Pokalsieg nach 2011, 2013 und 2016 macht immerhin Mut. Setzen sich die Schriesheimer nächstes Jahr erneut durch, dürfen sie den Pott behalten – falls es den Pokalwettbewerb dann noch gibt. „Diese Jahr lief es nicht gut“, bilanzierte Verbandsboss Ronellenfitsch, „das heutige Finale ist der erste Kampf, in dem sich die Mannschaften auf Augenhöhe begegnen.“ Kai Dittrich brach nochmals eine Lanze für den Wettbewerb. „Er ist gut, um die lange Pause zu verkürzen, wir sollten unbedingt daran festhalten“, sagte der Trainer, „vielleicht müssen wir aber über einige Änderungen nachdenken, um ihn attraktiver zu machen.“
 
Claus Weber
   

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